Die Münchner Opernfestspiele sind das älteste Opernfestival Deutschlands — seit 1875 verdichtet die Bayerische Staatsoper im Juli ihre Saison zu wenigen Wochen, in denen das Nationaltheater fast jeden Abend spielt. Wir reisen für zwei Abende an: Verdis »Rigoletto« in der Neuproduktion von Barbara Wysocka mit Ludovic Tézier in der Titelpartie und Xabier Anduaga als Herzog, dazu der Festspiel-Liederabend von Anna Netrebko. Wohnen werden wir im Platzl Hotel, wenige Schritte vom Nationaltheater entfernt.
Das Rahmenprogramm für die Tage in München wird derzeit noch ausgearbeitet. Vorgestellt ist hier zunächst das musikalische Programm.
Verdi — »Rigoletto«
Das Nationaltheater am Max-Joseph-Platz.
Ein Herrscher, der sich alles nehmen darf, und ein Hofnarr, dessen Aufgabe es wäre, ihm den Spiegel vorzuhalten — der es aber vorzieht, sich an den Ausschweifungen zu beteiligen. Was daraus folgt, trifft ihn selbst: seine Tochter. Verdi nannte Victor Hugos Vorlage »Le Roi s'amuse« grandios und gewaltig und schrieb 1851 für die Titelfigur eine der größten Rollen des Theaters. Die venezianische Zensur zwang ihn, den französischen König in einen fiktiven Herzog von Mantua zu verwandeln; der Fluch, der entstellte Narr und der Sack blieben. »Rigoletto« wurde das erste Werk der »Trilogia popolare« und begründete Verdis Weltruhm.
Wir sehen die Neuproduktion von Barbara Wysocka aus der Spielzeit 2025/26. Ludovic Tézier, einer der großen Verdi-Baritone unserer Zeit, singt den Rigoletto; als Herzog ist Xabier Anduaga zu hören, Rosa Feola singt die Gilda. Am Pult steht Daniele Rustioni, seit 2027 Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper.
Die Besetzung versammelt drei Generationen italienischen Fachs. Ludovic Tézier gilt seit zwei Jahrzehnten als maßgeblicher Verdi-Bariton; seine Stärke ist weniger das Auftrumpfen als die Linie, in der er den Vater und den Verspotteten gleichzeitig hörbar macht. Xabier Anduaga, 1995 in San Sebastián geboren, hat sich in wenigen Jahren als der gesuchte Belcanto-Tenor seiner Generation etabliert — der Herzog mit »La donna è mobile« ist eine Partie, die seiner Leichtigkeit und der offenen Höhe entgegenkommt. Rosa Feola bringt für die Gilda den lyrischen Sopran mit, der die Koloraturen des »Caro nome« nicht als Kunststück, sondern als Zustand erscheinen lässt. Dazu Alexander Köpeczi als Auftragsmörder Sparafucile und Rachael Wilson als seine Schwester Maddalena.
Zur Inszenierung
Barbara Wysocka erzählt das Stück als Gegenwart des 20. und 21. Jahrhunderts, inspiriert von Bildern zeitgenössischer Machthaber und ihrer Höfe — nicht als konkrete Diktatur, sondern als universelles Bild von Macht. Der Hof des Herzogs steht für jeden Ort, an dem Macht auf Straffreiheit trifft: Manipulation, eine Kultur des Schweigens, normalisierte Gewalt. Den Herzog beschreibt sie nicht als Bösen im klassischen Sinn, sondern als Produkt eines Systems, das ihm alles erlaubt hat und ihn nie ein »Nein« hören ließ — gefährlich gerade deshalb, weil er nicht begreift, dass er verletzt, und dabei charmant bleibt.
Der Narr ist für Wysocka kein Kostüm, sondern eine Funktion: Rigoletto darf alles sagen, verspottet und demütigt und manipuliert die Wahrheit — ein Komplize der Macht, mitverantwortlich für ihre Verbrechen. Monterones Fluch treffe ihn deshalb an seiner empfindlichsten Stelle, seinem Geheimnis, und wirke wie ein Trauma: Je mehr er ihm zu entkommen versucht, desto mehr erfüllt er ihn. Gilda sieht sie nicht als naiv, sondern als Suchende; ihr Tod sei ein Akt der Liebe und der Freiheit zugleich. Auf die Frage, wer Schuld an ihm trägt — der Herzog, der Vater, der Mörder, Maddalena, sie selbst — antwortet die Regisseurin: alle und niemand, jeder erfülle seine Rolle in einer Maschine, die Menschen zermahlt.
Warum das Stück heute? Weil, so Wysocka, die Lüge zur Sprache der Macht geworden sei. »Rigoletto ist eine Warnung, eine Dystopie und ein Ruf nach Veränderung.« Das vollständige Interview bei der Bayerischen Staatsoper
Xabier Anduaga singt den Herzog von Mantua.
Festspiel-Liederabend Anna Netrebko
Die Festspiel-Liederabende gehören zu den intimsten Abenden des Festivals: eine Stimme, ein Flügel, ein voll besetztes Nationaltheater. Anna Netrebko singt begleitet von Pavel Nebolsin. Das Programm gibt die Bayerische Staatsoper zu einem späteren Zeitpunkt bekannt.
Anna Netrebko.
Platzl Hotel
Wir wohnen im Platzl Hotel in der Münchner Altstadt, einem Haus in Familienbesitz an dem kleinen Platz, dem es seinen Namen verdankt — gegenüber dem Hofbräuhaus, wenige Minuten vom Marienplatz und vom Nationaltheater entfernt. Die Einrichtung ist bewusst bayerisch gehalten, mit viel Holz und regionalem Handwerk; zum Haus gehören das Restaurant Pfistermühle in einem Gewölbe aus dem 16. Jahrhundert und die Wirtsstube Ayingers. Nach der Oper sind es vier Gehminuten zurück ins Hotel.
Enthaltene Leistungen
- Willkommensdinner am Ankunftsabend
- Vier Übernachtungen im Platzl Hotel inkl. Frühstück
- Eintrittskarte/n der 1. Kategorie für G. Verdis »Rigoletto« am 21. Juli
- Eintrittskarte/n der 1. Kategorie für den Festspiel-Liederabend mit Anna Netrebko am 23. Juli
- Pausenumtrunk an den Festspielabenden
- Abschlussdinner
Das Rahmenprogramm für die Tage zwischen den Aufführungen wird derzeit noch ausgearbeitet; die Liste enthält zunächst das musikalische Programm.